Fabian Schmidmeier

Mein Name ist Fabian Schmidmeier, ich bin Stipendiat der Hanns-Seidel-Stiftung und Teilnehmer der Dialogperspektiven.

Nach meinem Abitur im Jahre 2009, ging ich für 10 Monate nach Jerusalem, um an einer israelischen Schule ein sozialpädagogisches Praktikum für die Kinder-und-Jugend-Aliyah zu absolvieren. Meine Stelle bekam ich im Jugenddorf Havat Hanoar Hazioni im Süden Jerusalems. Dort wurde ich erstmals intensiv mit der jüdischen Kultur und der hebräischen Sprache vertraut.

Gemeinsam mit den jungen Neueinwanderern aus dem russischsprachigen Raum absolvierte ich einen Ulpan-Kurs. Gleichzeitig erlebte ich tagtäglich auch die christliche und palästinensisch-muslimische Kultur. Da ich aus einem katholischen Elternhaus stamme, war es ein besonderes Erlebnis, plötzlich an den heiligen Orten aus den Erzählungen meiner Kindheit zu stehen. Die Schönheit des Tempelberges mit dem Felsendom und der al-Aqsa-Moschee und die Koran-Rezitationen zogen mich ebenso in ihren Bann, sodass ich während meines Aufenthaltes im Heiligen Land entschied, mich im meinem Studium mit den drei abrahamitischen Religionen beschäftigen zu wollen. Die von mir beobachteten Konflikte der Region waren für mich der Anlass, für den Wunsch zu vermitteln und zum Verständnis zwischen den unterschiedlichen Religionen beizutragen.

Nach meiner Rückkehr entschloss ich mich für ein Studium der Fächer Islamischer Orient, Germanistik und Judaistik. In meinem Hauptfach Islamischer Orient erlernte ich die Grundlagen des Islams und der arabischen Sprache, wobei die zuvor erworbenen Hebräischkenntnisse eine große Unterstützung waren. In der Judaistik besuchte ich neben den zahlreichen Seminaren zum Judentum auch Seminare in der katholischen Theologie.

Zu waren die Sarrazin- und später die Beschneidungsdebatte noch in vollem Gange. Die erworbenen Kenntnisse ließ mir die Ausgewogenheit in den Diskussionen und die oft abstrusen gegenseitigen Anschuldigungen als besonders eklatant erscheinen. Im Freundes- und Bekanntenkreis bestand mein interreligiöser Dialog also zunächst aus Diskussionen und der Beantwortung von Fragen zu Islam und Judentum.

Für mein Masterstudium zog ich nach Erlangen, einer Wiege des interreligiösen Dialogs. Gemeinsam mit dem Dialogbeauftragen des Rates Muslimischer Studierender und Akademiker (RAMSA) El Hadi Khelladi gründete ich zunächst einen losen interreligiösen Gesprächskreis, mit unserem Kommilitonen Benjamin Moscovici gründeten wir im September 2014 das Café Abraham als Lesekreis, Anlaufstelle für Beratungen und Vorträge und als Interventionsteam. Als die schrecklichen Anschläge von Paris passierten gingen wir demonstrativ als Juden, Muslime und Christen gemeinsam gegen Terror auf die Straße. Mehrfach waren der Bayerische Rundfunk und das Bayerische Fernsehen zu Gast beim Café Abraham und wir konnten unsere Botschaft des interreligiösen Dialogs einem größeren Publikum zugänglich machen. Auch fungiere ich seit vergangenem Jahr als Seminarleiter bei der Hanns-Seidel-Stiftung, bei der ich als Stipendiat ins Journalistische Förderprogramm aufgenommen wurde. Diese Erfahrungen beim Trialog und der Arbeit in der Stiftung möchte ich sehr gerne bei Dialogperspektiven einbringen. Das Café Abraham und dessen Referenten sind inzwischen deutschland- und europaweit gut vernetzt.

Der interreligiöse Dialog und Austausch zwischen den Religionsgemeinschaften, wo Gemeinsamkeiten herausgearbeitet und signifikante Unterschiede auf Augenhöhe anerkannt werden, ist eine der gesellschaftlich wichtigsten Aufgaben der nahen Zukunft. Religiöser Extremismus, Antisemitismus und Islamfeindlichkeit lassen sich nur durch einen Schulterschluss der Religionsgemeinschaften, eine damit einhergehenden Vermittlung von Informationen und persönlichen Austausch bewerkstelligen. Dialogperspektiven ist ein Projekt, bei dem diese Vorhaben durch die Vernetzung der Stiftungen und die angebotenen Seminare ein sehr gutes Fundament bekommen. Ich denke, dass ich meine Kenntnisse und Erfahrungen sinnvoll und effektiv bei den Dialogperspektiven einbringen kann und freue mich sehr, Teil dieses Projektes zu sein und meinen Teil zu dessen Erfolg beitragen zu können.

˝Thanks to DialoguePerspectives I have encountered inspiring people who have expanded, and also completely changed, my understanding of religion, engagement, and encounter. The interdisciplinarity of the programme combined with the high standards everyone holds each other to have made DialoguePerspectives a formative experience for me.

Till, DialoguePerspectives participant