Esra Arican

Esra Arican, Stipendiatin de Avicenna-Studienwerks: 

 

„Ich heiße Esra Arican, bin 20 Jahre alt und studiere Jura im dritten Semester an der Universität Hamburg.

Seit Beginn meines Studiums darf ich mich freuen, eine von mittlerweile über hundert Stipendiat_innen des Avicenna-Studienwerks zu sein, dem jüngsten vom Bildungsminsterium für Bildung und Forschung geförderten Begabtenförderwerk. Seit diesem Jahr bin ich außerdem glücklich darüber, ein kleiner Teil des Programms Dialogperspektiven zu sein und dadurch die Möglichkeit zu bekommen, dieses ganz besondere Forum nutzen zu können.

 

Ich bin in Mönchengladbach geboren und in Niedersachsen aufgewachsen. Meine Familie ist deutsch-türkisch – meine Mutter stammt aus Deutschland und ist vor über 30 Jahren zum Islam konvertiert; mein Vater ist in der Türkei geboren und kam mit seiner Familie als Gastarbeiter nach Deutschland. Meine Eltern haben mit mir sowohl Deutsch als auch Türkisch gesprochen, so dass ich beide Sprachen beherrsche.

Ich wurde muslimisch-konservativ erzogen und würde mich selbst als gläubige deutsche Muslimin bezeichnen. Religion spielt eine wichtige Rolle in meinem Leben, da ich sie als Sinnstifter und Wegweiser verstehe. Als deutsche Muslimin betrachte ich mich jedoch selbst auch als Multiplikatorin, um ein Bild des engagierten, selbstbewussten und offenen Islam zu vertreten. Als Avicenna-Stipendiatin ist es meine Aufgabe, Vorurteile gegenüber meiner Religion abzubauen und dies kann nicht nur durch religiöse, sondern insbesondere durch interreligiöse Arbeit geschehen.

 

Innerhalb des Avicenna-Studienwerks haben wir bereits mehrfach interreligiöse Veranstaltungen sowohl auf Bundes- als auch auf regionaler Ebene mitorganisiert oder als Stipendiat_innen an solchen teilgenommen. In den Dialog zu treten sehe ich als eine meiner wichtigsten Aufgaben an, sowohl als Avicenna-Stipendiatin als auch als Muslimin. In unserer Gesellschaft ist zunehmender religiöser Pluralismus nicht nur eine Tatsache, er sollte auch aktiv gefördert werden. Andernfalls werden sich Phänomene wie Antisemitismus, Islamophobie auf der einen und religiöser Radikalisierung auf der anderen Seite weiter verfestigen.

Im Dialog bekommen Menschen die Möglichkeit, die jeweiligen Überzeugungen und Traditionen mit anderen zu teilen, auf ein respektvolles Gegenüber zu treffen und Verständnis für den Anderen zu entwickeln. Ich selber habe bereits vielfach die Erfahrung machen dürfen,  die Pluralität meines eigenen Glaubens zu entdecken und mich mit anderen Muslim_innen über Gemeinsamkeiten und Unterschiede innerhalb des Islams auszutauschen. Durch das  gemeinsame Gespräch können Fragen gestellt und beantwortet werden.

 

Ich freue ich darüber, in Programmen wie Dialogperspektiven auf Menschen zu treffen, die an meiner Religion und Lebensweise interessiert sind und mir ohne Vorurteile begegnen und mehr erfahren wollen. Genauso ist es auch für mich eine Bereicherung, andere Religionen und Weltanschauungen besser kennen zu lernen, aufgeklärt zu werden, Gemeinsamkeiten und Unterschiede festzustellen und dabei den Blick für das uns alle Einende nicht zu verlieren.

Mit Menschen chrlichtlichen, jüdischen, muslimischen, hinduistischen, buddhistischen Glaubens, mit Agnostikern, Atheisten und Angehörigen vieler weiterer Weltanschauungen sprichwörtlich über Gott und die Welt zu sprechen – diesen einzigartigen Rahmen bietet uns Dialogperspektiven. Aus den Gesprächen in den Arbeitsgruppen habe ich nicht nur viel neues Wissen über meine eigene und andere Religionen mitgenommen. Oft wurden bedingt durch die diversen Hintergründe und Interessen der Teilnehmenden die Themen auch weitergedacht und ganz neue Gedanken und Assoziationen aufgeworfen.

 

Es freut mich, ein Teil von Dialogperspektiven zu sein, denn im Dialog zwischen Religionen und Weltanschauungen wird aus Fremdheit Freundschaft.“

˝The programme makes possible something that is all too rare in our society these days: speaking and having discussions across borders, not about each other, but with each other. That can be a hard slog at times, but at the same time the format makes space for follow-up questions and deeper conversations that are only possible through trust on all sides.

Felix, DialoguePerspectives participant