CPPD: Das Massaker in Reçak

Ein Dossier von CPPD-Mitglied Melina Borčak

CN: Krieg, Massenmord
„Die Menschen schrien. Sie wurden zusammengeschlagen. Sie schrien, bis sie starben.” (vgl. RFE/RL 2019). So erinnert sich der Überlebende Rame Shabani an das Massaker in Reçak, Kosovo. Er versteckte sich stundenlang in einem Loch im Wald. Denn: Der serbischen Polizei in die Hände zu fallen, wäre das Todesurteil gewesen. An diesem und dem darauffolgenden Tag, dem 15. und 16. Januar 1999, wurden 45 Albaner*innen von serbischen Sicherheitskräften ermordet.

Unabhängige Beobachter*innen der OSZE beschrieben das Dorf nach dem Massaker: Menschen, von hinten erschossen, durch die Augen erschossen oder geköpft.

Die Untersuchung Serbiens stufte die Dorfbewohner*innen als “Terroristen” ein – jedes einzelne Opfer, egal ob Rentner oder 12 Jahre alt, ob Mann, Frau oder Kind.

In Frankreich wurden währenddessen Friedensgespräche geführt. Die Kosovo-Delegation unterschrieb den Friedensvertrag, die serbische weigerte sich – erneut. Nach vielen weiteren Massakern, nach zehn Jahren der von Milošević geführten Angriffskriege gegen Kosovo, Bosnien, Kroatien und Slowenien und nach zehn Jahren des Ignorierens von Sanktionen und internationalem Druck, beendete die Nato 1999 mit einer Militäroffensive den Angriffskrieg Miloševićs auf Kosovo.

Tausende Opfer des Krieges in Kosovo wurden mit LKWs in die Ferne gefahren und in Massengräbern innerhalb Serbiens verscharrt. Über 1600 Menschen werden noch heute vermisst.

Erinnerungskultur bedeutet auch zu verstehen, warum es für Kosovo-Albaner*innen unmöglich ist, in einem Land zu leben, dessen Regierung sie vernichten wollte, dessen Polizei sie tötete und vergewaltigte, neben dessen Hauptstadt ein Massengrab ihrer Familien ist.

Serbische Nationalist*innen leugnen und verharmlosen bis heute das Massaker von Reçak und andere Massaker. Nach jahrzehntelanger Unterdrückung hat Kosovo 2008 die Unabhängigkeit von Serbien erklärt. Da die Untersuchungen der Ereignisse bis dahin von Serbien kontrolliert und erschwert wurden, war ein Großteil der Beweise schon verschwunden. Kein Reçak-Mörder ist bis heute im Gefängnis.

 

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