23. November 1992: Rassistische Brandanschläge von Mölln

2022 ist der 30. Jahrestag der rassistischen Brandanschläge von Mölln. Die folgenden Worte und Hintergründe sind der Website des „Freundeskreis im Gedenken an die rassistischen Brandanschläge von Mölln 1992“ entnommen.

Die Erinnerung zu erkämpfen – an die, die fehlen, an das Geschehene, an das Vergessene, an das Verschwiegene, an die Ursachen und die Folgen, an das Davor und das Danach. Diese Forderungen sind nach wie vor aktuell. Dieses Erkämpfen ist nach wie vor wichtig. Diese Erinnerung ist nach wie vor kostbar.

anıları canlı tutma mücadelesi ~ reclaim and remember ~ das erinnern erkämpfen

Was bedeutet es, zu gedenken? Was bedeutet Solidarität? Was bedeutet es, solidarisch zu gedenken? Was bedeutet es, die Betroffenenperspektive in den Vordergrund zu rücken? Wie sehen selbstgestaltete, selbstbestimmte, sichtbare, solidarische und empowernde Gedenkpraxen aus? Diese Auseinandersetzungen führen die Familien Arslan und Yılmaz seit 30 Jahren.

Hintergrund

Das Haus der Familie Arslan wurde am 23.11.1992 von neofaschistischen Tätern mit Molotow-Cocktails angezündet. Bei dem Anschlag wurden die 10jährige Yeliz Arslan, die 14jährige Ayşe Yılmaz und die 51jährige Bahide Arslan ermordet. Weitere Familienmitglieder wurden teilweise sehr schwer verletzt. Zuvor hatten die Neonazis bereits einen Brandanschlag auf die Ratzeburger Straße 13 verübt, wo ebenfalls Menschen türkischer Herkunft wohnten. Neun von ihnen erlitten schwere Verletzungen.

Die Angehörigen und Überlebenden des Anschlags setzen sich seit 30 Jahren für ein selbstbestimmtes Gedenken von Betroffenen und Überlebenden rechter Gewalt ein. Sie gestalten die Möllner Rede im Exil und den Gedenktag am 23. November, sie unterstützen andere Betroffene rechter Gewalt in ihrem selbstgewählten Gedenken, sie organisieren Bildungsveranstaltungen und Zeitzeug*innengespräche und sie erzählen ihre Geschichten. Und darin sind sie nicht alleine. Betroffene rechter Gewalt rücken ihre Perspektiven in ihren Vielstimmigkeiten in den Vordergrund. Sie richten den Blick auf die, die wir verloren haben und die, die verletzt wurden. Sie vernetzen sich und schaffen vielfältige Orte der Verbundenheit in unseren Verletzlichkeiten. Auch der Gedenktag und die Möllner Rede im Exil sollen solche Orte der Verbundenheit sein.

Im Exil war die Rede bisher in Hamburg, Lüneburg, Bremen, Köln, Berlin, Frankfurt am Main und Kiel zu Gast. Gehalten haben sie Kutlu Yurtseven, Adetoun Küppers-Adebisi, Argyris Sfountouris, Doğan Akhanlı, Esther Bejarano, İdil Baydar, Newroz Duman und Naomi Henkel-Gümbel und der Freundeskreis United. „Im Exil“ ist die Rede, weil sie seit 2013 nicht mehr Teil des „offiziellen“ Gedenkens der Stadt Mölln ist.

Gedenkpolitik ist für uns gelebte Gesellschaftskritik. Solidarität bedeutet für uns, die dringenden Fragen nach Gerechtigkeit, nach ausgegrenzten Geschichten und nach der Gewalt unserer gegenwärtigen Gesellschaft zu stellen. Solidarität bedeutet für uns, Antworten, Fragen und Forderungen aus der Betroffenenperspektive zum Ausgangspunkt solidarischen Handelns zu machen. Solidarität bedeutet für uns, sich mit Überlebenden und Betroffenen dieser Gewalt zu verbünden.

Es gibt viele Erfahrungen und Geschichten. Viele Verletzungen. Viele Wünsche und Bedürfnisse. Viele Perspektiven. Diese gilt es zu hören. Aus der Vereinzelung zusammenzubringen. Zu vernetzen. Zu vervielfältigen. In den Vordergrund zu stellen. Und so Gedenkpolitiken herauszufordern. Als Kollektiv in der Vielfalt.

Der „Freundeskreis im Gedenken an die rassistischen Brandanschläge von Mölln 1992“ besteht aus Mitgliedern und Freund*innen der Familie Arslan und verbundenen Personen aus anderen Gedenkinitiativen.

Informieren unter: https://gedenkenmoelln1992.wordpress.com

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