22. Juli 2011: Anschlag Utøya und Oslo, Norwegen

Ein Dossier von CPPD-Mitglied Andrea Hanna Hünniger

Am 22. Juli 2011 erschoss der norwegische Rechtsextremist Anders Behring Breivik auf der norwegischen Insel Utøya in knapp anderthalb Stunden 69 meist junge Menschen, die an einem traditionellen Sommercamp der Arbeiterjugend teilnahmen. Zuvor hatte er im Osloer Regierungsviertel acht Menschen mit einer Bombe getötet.
Die Brutalität und Grausamkeit der Taten hat sich tief in das kollektive Gedächtnis der Norweger eingegraben. Bis heute beschäftigt die Frage, wie man politisch, präventiv und auch in der Strafverfolgung verhindern kann, dass sich Menschen in rassistischen Ideologien und Verschwörungserzählungen versteigen und so zu Gewalttätern werden.
In Norwegen läuten zum Jahrestag die Kirchenglocken, Menschen versammeln sich und gedenken, trauern. Solch ein Gedenken wie heute, das dient unter anderem dazu, Zusammenhalt zu schaffen. Das Problem ist, dass dieser terroristische Anschlag die norwegische Gesellschaft noch weiter spalten konnte, als ohnehin schon. Es gab beispielsweise einen langen juristischen Streit um ein Mahnmal auf Utøya, das eigentlich vergangenes Jahr zum 10 Jahrestag der Anschläge enthüllt werden sollte. Die Kritik daran war, dass man die Ereignisse nicht immer wieder ständig vor Augen geführt haben will. Ein Affront für die Opfer, aber immer wieder Teil der Debatten um das kollektive Erinnern.
Wir versteigen uns nach solchen terroristischen Anschlägen in Debatten wie etwa: War es ein verwirrter Einzeltäter oder ein Psychopath? War das ein Anschlag auf eine ganze Gesellschaft oder doch nur eine Randgruppe? Diese Fragen lenken von einem beängstigenden Aspekt ab: Wer sich radikalisiert, der muss heute nicht einmal mehr sein Kinder- oder Wohnzimmer verlassen. Der muss nicht einmal mehr in Kontakt treten mit radikalen Gruppen. Der braucht einfach nur seinen Browser öffnen.
Das Netz hat einen neuen Terroristen erschaffen. Je breitflächiger Hass und Fehlinformationen verbreitet werden können, desto wahrscheinlicher ist es, dass einer den Hass in ein mörderisches Handeln verwandelt.
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