19. Februar: Jahrestag des rassistischen Terroranschlags in Hanau

Ein Gastbeitrag der Bildungsinitiative Ferhat Unvar

Der rassistische Anschlag in Hanau ist bundesweit bekannt und durch die Arbeit der Familien, Angehörigen und Überlebenden sowie deren Unterstützer*innen und solidarischen Initiativen heute noch ein beherrschender Teil des Diskurses um Rassismus und rechten Terror. Eines der Opfer in Hanau am 19. Februar 2020 war Ferhat Unvar. 23 Jahre alt, gelernter Heizungsinstallateur, gebürtiger Hanauer und Kesselstädter.

Ferhats Ermordung, so wie die Ermordung von Vili Viorel Păun, Mercedes Kierpacz, Fatih Saraçoğlu, Sedat Gürbüz, Kaloyan Velkov, Said Nesar Hashemi, Gökhan Gültekin und Hamza Kurtović hat die Stadtgemeinschaft in Hanau so wie die Familien, Angehörigen, Freund:innen und Bekannte schwer erschüttert und traumatisiert. Nach dem Anschlag stand Serpil Temiz Unvar deshalb vor der Entscheidung „ihre Wut und ihren Schmerz mit Hass zu mischen“ oder nicht. Sie entschied sich dagegen. Ihr Ziel ist nicht Vergeltung, sondern positive Veränderung zu schaffen.

Basierend auf ihren eigenen Lebenserfahrungen und auf den Erfahrungen, die sie mit ihren Kindern im deutschen Schulsystem machen musste, hat Serpil Unvar erkannt, dass die Erfahrungen mit strukturellem Rassismus und Alltagsrassismus vielen Familien besonders durch die Institution Schule begegnen. Negative Kommentare, komplizierte Strukturen, wenig Unterstützung für migrantische Familien sind nur ein Teil der Problematik, der sich Serpil Temiz Unvar annehmen möchte. Für sie war nach dem 19. Februar klar: ein Schweigen zu rassistischen Strukturen ist nicht länger hinnehmbar.

Ein Warten auf Veränderung durch die Politik ist nicht länger akzeptabel. Der Schlüssel liegt ganz klar in einer migrantischen Selbstorganisation, denn nur die migrantische Community weiß, was diese Community braucht. Hanauer Jugendliche und junge Erwachsene müssen in den „Heilungsprozess“ einbezogen werden, ihn selbst gestalten. Es muss ein Raum geschaffen werden, wo sie über ihre Probleme und Erfahrungen sprechen können. Ein Raum, der ihnen ermöglicht ihre eigene Stimme zu entfalten, Probleme zu benennen und Lösungen zu erarbeiten. Diesen Raum bietet die Bildungsinitiative Ferhat Unvar.


Kommenden Samstag, am 19. Februar 2022, jährt sich der rassistische Terroranschlag in Hanau, der neun Menschen aus der Mitte unserer Gesellschaft riss, zum zweiten Mal. Wir sind in diesen Tagen in Gedanken bei den Angehörigen, Freund*innen und Überlebenden in Hanau und gedenken:

Ferhat Unvar
Vili Viorel Păun
Mercedes Kierpacz
Fatih Saraçoğlu
Sedat Gürbüz
Kaloyan Velkov
Said Nesar Hashemi
Gökhan Gültekin
und Hamza Kurtović.

Entscheidend für die Aufarbeitung der Tat und die würdevolle Erinnerungsarbeit war und ist das Engagement ihrer Familien, Angehörigen und Freund*innen sowie auch der Überlebenden des Anschlags. Aus ihrer Arbeit gingen u.a. die Initiative 19. Februar Hanau und die Bildungsinitiative Ferhat Unvar hervor.

Grafik: Bildungsinitiative Ferhat Unvar.

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Ezgi, DialoguePerspectives alumnus

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